Gemeindepastor mit ökumenischem Weitblick
Am ersten Advent wurde ein bisschen gefeiert: Seit zehn Jahren ist Michael Jordan Pastor in Friedrichstadt. Der Kirchenvorstand dankte ihm und seiner engagierten Frau im Gottesdienst, es wurde Musik zum Anlass geboten und im Anschluss auf viele weitere Jahre angestoßen ‒ ein schönes Beisammensein mit Glückwünschen und freundlichen Worten aus der Gemeinde, von Mitarbeitern und Vertretern Ökumene.
Friedrichstadt mit seinen zahlreichen Gassen ist ein beliebtes Ausflugsziel. Auf den vielen Kanälen fahren kleine Schiffe die Touristen durch die Stadt, die danach dann auch die St. Christophorus-Kirche besichtigen. Hier ist Michael Jordan Pastor ‒ seit zehn Jahren schon.
Eine Kirche von vielen, ein Pastor von vielen: Friedrichstadt zeichnet sich durch eine große ökumenische Vielfalt aus. Neben den evangelisch-lutherischen Gemeinde gibt es auch Remonstranten, Mennoniten, Katholiken natürlich und die dänischen Lutheraner. Und dann ist da auch noch die ehemalige jüdische Synagoge, deren Geschichte an die Geschichte gemahnt und daran erinnert, dass religiöses Leben noch vielfältiger war. In Friedrichstadt lebt man ein gutes Miteinander, feiert gemeinsame Gottesdienste in wechselnden Kirchen, hilft einander mit Räumlichkeiten aus und präsentiert einen gemeinsamen Gemeindebrief.
Zehn Jahre sind eine lange Zeit. „Eine schöne Pfarrstelle. Wir fühlen uns nach wie vor sehr wohl.“ „Wir“ heißt: Pastor Michael Jordan und seine Frau Britta und die drei Kinder. Michael Jordan, 1965 in Wolfenbüttel geboren, ist gelernter Bäcker- und Konditorgeselle. Er hat das Abitur nachgeholt und in Kiel, Hamburg und Jerusalem Theologie studiert. Nach dem Vikariat in Heikendorf kam er nach Friedrichstadt.
Seine Frau ist Referentin am Evangelischen Regionalzentrum in Breklum (ERW) und zuständig für die Frauenarbeit im Kirchenkreis Nordfriesland. Sie ist Religionspädagogin, und ihr Rat und ihre Mithilfe sind gefragt, wenn es in Friedrichstadt um Kinder- und Jugendarbeit geht. Ein gutes Miteinander.
Michael Jordan schätzt seine Gemeinde sehr. „Ich habe hier die Möglichkeiten, etwas zu verändern und andere Dinge auszuprobieren. Ich bin offen für das, was ich irgendwo entdecke: bei Kollegen, in den evangelischen Medien. Ich bin auf der Suche. Aber mir ist es wichtig, dass wir im Kirchenvorstand und im Kreis der Mitarbeiter vorher klären: Passt das zu uns und unserer Gemeinde? Passt es in die Stadt?“
Neue Formen im Gottesdienst, die Einführung eines neuen Modells für den Konfirmandenunterricht, Gottesdienste auf dem Wasser. Der Kirchenvorstand ist aufgeschlossen, man probiert hier gerne Neues aus und hat dann auch eine Meinung dazu. „Neues zu wagen fördert die Motivation“, sagt Jordan. Nicht nur seine: Die Gemeinde hat viele Ehrenamtlichen, und es findet sich immer jemand für das, was gerade getan werden muss.
Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Was war besonders bemerkenswert? Michael Jordan überlegt. Bei der Kirchensanierung von 2006 bis 2009 ‒ und in Teilen bis heute ‒ hat die Gemeinde viel geleistet und Jordan viel gelernt: ein Jahrhundertprojekt. Ja, und das Kirchenasyl 2002/03, das war gleich zu Beginn seiner Zeit als Pastor in Friedrichstadt. Aber er hat es, gemeinsam mit vielen Mitstreitern, geschafft, einer verfolgten kurdischen Familie zu helfen: Die Familie lebt auch heute noch in Deutschland. Kein so ganz leichter Einstieg für einen jungen Pastor.
Wer auf zehn lange, vielfältige und erfolgreiche Jahre zurückblickt, wird auch nach dem weiteren Weg gefragt. Wo sieht Pastor Jordan seine Gemeinde in zehn Jahren? Er ist sicher, dass die Ökumene weiterhin eine große Bedeutung haben wird. Hatte sie schließlich auch schon vor seiner Zeit. Auch das Angebot ganz verschiedener Gottesdienstformen wird bleiben und mit Leben gefüllt werden. Vor allem wird wichtig sein, mit den Nachbargemeinden Neues zu entdecken und gemeinsames Ziele zu finden: „Wir werden ‒ notwendigerweise ‒ mit den Gemeinden der Region enger zusammenrücken.“
Was aber ist das Wesentliche? „In der Gemeinde und im Ort präsent zu sein. Und als Kirche miteinander immer wieder überlegen: Was ist wichtig? Was müssen wir in den Blick nehmen? Wo wird Kirche vermisst?“ Nicht unwesentlich aber ist noch etwas ganz anders: Auf sich selbst und die Familie achten ‒ beides mit dem Beruf in Einklang bringen.
Text und Bild: Rainer Kolbe