Diakonie und Seelsorge
Dritte Dimension kirchlichen Lebens: Diakonie und Seelsorge
1. Zeit für Menschen
Die Kirche soll offen sein für die Bedürfnisse von Menschen durch eine nachge-hende und aufsuchende Seelsorge. Es geht darum, Menschen zu sehen und wahrzunehmen. Notwendig ist eine kontinuierliche Begleitung der Menschen. Die Hilfe für Menschen in Lebenskrisen ist eine der grundsätzlichen Aufgaben von Kir-che.
Die Aufgabe der Seelsorge wird wahrgenommen durch Besuche der Pastorinnen und Pastoren. Besuchsangebote können auch durch Ehrenamtliche wahrgenom-men werden, zum Beispiel bei Trauernden, Geburtstagen, Krankheit, einsamen Menschen etc. Den Pastorinnen und Pastoren kommt eine besondere Rolle zu, da sie aufgrund ihrer Schweigepflicht besonderes Vertrauen genießen. Für die seel-sorgerliche Begleitung brauchen Pastorinnen und Pastoren Zeit (Entlastung von anderen Aufgaben).
Besonders wichtig ist die Begleitung von Kranken, Sterbenden und Trauernden sowie deren Angehörigen, da Krankheit und Tod eine große Belastung sind. Auf dem schwierigen Weg der Trauer nach dem Verlust eines Menschen, braucht man Begleitung durch verlässliche Personen. Sterbe- und Trauerbegleitung ist Missi-onsarbeit, da oft erst am Ende die Frage nach dem Warum und Wohin aufkommt. Dabei nimmt die Begleitung auf dem letzten Weg in der Hospizarbeit eine beson-dere Rolle ein, um unsere Hoffnung weiter zu geben.
Auch Geburtstagsbesuche bei älteren Menschen sind wichtig, da durch diese Be-suche in einer älter werdenden Gemeinde ein Beziehungsnetz entsteht. Die Ge-burtstagsbesuche können auch durch einen Besuchskreis durchgeführt werden.
Begleitung und Seelsorge findet auch an lebendigen Orten der Begegnung statt (Gemeindehäuser, Mehrgenerationenhäuser, etc). Durch einen Ausbau der Ange-bote des Mehrgenerationshauses können generationsübergreifende Gemein-schaftserfahrungen ermöglicht werden. Begegnungen dienen der Sinnsuche und vermeiden Orientierungslosigkeit und Vereinsamung.
2. Unterstützung von Menschen in Krisensituationen
Das Ziel der Unterstützung von Menschen in Krisensituationen ist die Förderung der sozial Schwachen und deren Integration. Dafür ist es notwendig, aktiv auf Menschen zuzugehen und Beratungsangebote vorzuhalten.
Die Unterstützung von Menschen in Krisensituationen geschieht einerseits durch Gemeindediakonie, indem man in der Gemeinde Schwachen zur Seite steht und die Solidarität vor Ort als Kirchengemeinde zeigt. Kirche ist nicht nur „Schönwet-terkirche“. In ihr darf jede und jeder ihren Platz haben: man lernt voneinander und miteinander, man unterstützt sich gegenseitig und lebt in der Gemeinschaft von Starken und Schwachen.
Die professionelle Hilfe der Diakonischen Werke unterstützt die Menschen sowohl durch die Beratungsarbeit als auch durch konkrete Hilfe wie die Tafel, Arbeitspro-jekte, gebrauchte Möbel, gebrauchte Kleidung, etc. Besonders in den Bereichen der Erziehungsberatung, Lebensberatung, Suchtberatung und Konfliktberatung wirken die Angebote der Diakonischen Werke entlastend für die Kirchengemeinde.
Die Krankenhausseelsorge ist ein unverzichtbarer Bestandteil für die Begleitung von kranken Menschen. Sie ist notwendig, um Menschen in einer besonderen Le-benssituation besondere Hilfe und geistliche Begleitung zu geben.
3. Zusammenarbeit und Vernetzung
Um dem Auftrag der Kirche als Diakonie und Seelsorge wahrnehmen zu können, ist eine Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den Diensten und Werken, den diakonischen Werken und den Kirchengemeinden notwendig. Zur Intensivierung der besseren Wahrnehmung können z. B. Konfirmandengruppen, andere Dienste und Werke oder Schulklassen die diakonischen Einrichtungen besuchen und ken-nenlernen. Dadurch kann deutlich werden, dass die Diakonischen Werke im glei-chen Sinne und Geiste wie die Kirchengemeinden Hilfe suchende Menschen un-terstützen und durch ihre Professionalität Kirchengemeinden entlasten. Das Zu-sammenwirken von diakonischer Arbeit in den Kirchengemeinden und in den Diensten und Werken kann durch Diakoniegottesdienste, gemeinsame Veranstal-tungen, eventuell durch ein Projekt „Seitenwechsel“ und thematische Veranstal-tungen wie z. B. zum Thema Armut verstärkt werden.
4. Stärkung des Glaubens, des Vertrauens und der inneren Stabilität als Teil der Diakonie und Seelsorge
Alle Veranstaltungen und Angebote, die den Glauben, das Vertrauen und die inne-re Stabilität der Menschen fördern, sind Bestandteil des diakonischen und seelsor-gerlichen Handelns der Kirche.
So dient die Kinder- und Jugendarbeit der Orientierungshilfe für Jugendliche, der Integration und der Stärkung der inneren Stabilität. Gottesdienste dienen der Stär-kung des Glaubens und der Selbstvergewisserung. Besonders Kasualgottes-dienste unterstützen Menschen in besonderen Lebenssituationen, geben ihnen Halt und innere Ausrichtung durch die persönliche, wertschätzende Ansprache. Andachten in Altenheimen, Behindertenheimen, Krankenhäusern und Urlaubsorten stärken Menschen in ihren jeweiligen Lebenssituationen.
Durch regelmäßige Treffpunkte, Gesprächskreise und Bibelabende entstehen Ansprechpartner vor Ort. In Veranstaltungen des Frauenwerkes werden Frauen ge-stärkt für ihre Aufgaben in der Familie, in der Pflege ihrer Angehörigen und im Be-ruf. Bildungsangebote sowie thematische Abende zu politischen Themen, stärken das Bewusstsein und die Bereitschaft, sich für die bedürftigen Menschen in unse-rer Gesellschaft einzusetzen.
Seelsorge geschieht ebenfalls nonverbal durch die Musik, weil die Musik aus-drückt, was nicht in Worte zu fassen und worüber zu Schweigen ganz unmöglich ist. Die Kirchenmusik dient der Seele.